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Brief an Schwester Paula (Lettre à soeur Paula, auf Deutsch)

Brief an Schwester Paula

 

Drapeau-allemand

(auf deutsch – übersetzung : Teresa KAMMERLANDER)

 
 

Paula ist eine portugiesische Missionsschwester der Gemeinschaft der Diener des Evangeliums. Sie ist 46 Jahre alt und wohnt und arbeitet zurzeit in Japan. Eine gemeinsame Freundin hat uns miteinander in Verbindung gebracht und ihr meine Kontaktdaten gegeben. Ihre Mail, in der sie mit mir Kontakt aufgenommen hat, schien mir so reich an treffenden Fragen bezüglich der Position der Kirche zur Homosexualität und so aufschlussreich über das Unwissen und die Aufregung vieler katholischer Christen gegenüber dem homosexuellen Begehren, dass ich beschlossen habe, mir für die Antwort Zeit zu nehmen. Die Suche nach der Wahrheit dieser Frau und auch ihre Demut haben mich berührt.

 
 

Hier ist zunächst ihre E-Mail, und danach folgt mein Versuch einer Antwort:

 
 

Lieber Philippe, wie geht es Ihnen? Es freut mich, Sie kennenzulernen, selbst wenn es per E-Mail geschieht. Ich bin eine portugiesische Missionarin aus der gleichen Gemeinschaft wie Céline, den Dienern des Evangeliums. Ich heiße Paula und ich lebe und arbeite in Japan. Ich denke, Céline hat Ihnen bereits bezüglich des Themas, bei dem ich ihre Ratschläge bräuchte, geschrieben. Ich danke Ihnen im Voraus für Ihre Bereitschaft. Ich erkläre Ihnen ein wenig die Situation. Es handelt sich um einen japanischen jungen Mann, der katholisch ist und vor einigen Monaten entschieden hat, seinen Beruf aufzugeben, um besser über seine Zukunft nachdenken zu können. Denn als der den Jakobsweg gegangen ist, hat er sich die Frage gestellt, ob ihn Gott vielleicht dazu beruft, ihm als Priester zu folgen. Er ist sich noch nicht sicher, ob sein Platz bei uns, den Dienern, ist, aber er hat uns darum gebeten, ihn in seinem Entscheidungsweg zu begleiten. Uns wird bewusst, dass es ihm – auch wenn er seit seiner Geburt getauft ist (im Gegensatz zur Mehrheit der katholischen Japaner, die die Erwachsenentaufe erhalten) – schwer fällt, den Lehren der Kirche zu vertrauen und manchmal stellt sich das als wahres Hindernis im Hinblick auf die Vertiefung seiner Berufung heraus. Wenn ich ihm erkläre, dass man oft zwischen der offiziellen Position der Kirche und der Seelsorge unterscheiden muss, findet er das schwer verständlich, denn das empfindet er als Scheinheiligkeit. Kürzlich hat er seine Zweifel bezüglich der Lehre der Kirche über die Homosexualität ausgedrückt. Er hat uns gesagt, er sei nicht homosexuell und er kenne niemanden, der homosexuell sei. Dennoch will er die Lehre der Kirche zu diesem Thema verstehen, andererseits fürchtet er, dass er, wenn er Priester würde, nicht in der Lage wäre, das in die Tat umzusetzen, was die Kirche lehrt und schließlich den Weg des katholischen Priesters aufgeben würde. Im Moment ist er wirklich dabei, seine Berufung aufgrund dieses Themas in Frage zu stellen. Er hat Kommentare über den Brief der Kongregation für die Glaubenslehre über die Pastorale gegenüber homosexuellen Personen gelesen und er ist mit dieser Position nicht einverstanden. Er denkt, das sei keine barmherzige Position, wie jene Jesu. Sie stünde somit im Widerspruch zum Evangelium. Er denkt auch, es sei nicht gerecht, dass es für Heterosexuelle zwei Optionen gebe: das Eheleben und die Gott geweihte Keuschheit, für Homosexuelle allerdings nur die der Keuschheit. Nachdem ich nicht homosexuell bin, ist es für mich sehr schwierig, ein Urteil zu fällen. Ich habe mich ein wenig informiert, aber ich weiß nicht, welche Meinung ich als die Richtige annehmen soll. Ich gebe mein Unwissen in diesem Thema zu und deshalb bitte ich Sie um Hilfe. Nachdem Sie homosexuell und katholisch sind, könnten Sie mir einige Fragen beantworten? Beispielsweise, sind Sie einverstanden mit: „Die spezifische Neigung der homosexuellen Person begründet aber eine mehr oder weniger starke Tendenz, die auf ein sittlich betrachtet schlechtes Verhalten ausgerichtet ist. Aus diesem Grunde muss die Neigung selbst als objektiv ungeordnet angesehen werden.“ (laut dem Schreiben der Kongregation der Glaubenslehre über die Seelsorge für homosexuelle Personen[1]). Das heißt, ist die homosexuelle Neigung für Sie ungeordnet und betrachten Sie das homosexuelle Verhalten an sich als schlecht? Für mich ist das schwer zu verstehen, dass die Homosexualität, wenn sie eine menschliche Struktur ist, selbst wenn sie in den meisten Fällen nicht genetisch ist, etwas Schlechtes und Ungeordnetes sei. Um ehrlich zu sein, in meinem Unwissen würde ich bevorzugen, die Homosexualität könne mit irgendeiner Therapie geändert und Heterosexualität werden. Aber nach dem, was ich gelesen habe, wird das weder akzeptiert noch ist es empfehlenswert, selbst wenn es Gruppen gibt, die zur Umwandlungermutigen, indem sie das Bekehrung nennen, nicht wahr? Also, wie verstehen und leben Sie Ihre sexuelle Orientierung? Im Bezug auf den folgenden Satz desselben Briefes, sind Sie einverstanden mit dieser Behauptung? „In Wirklichkeit muss auch bei den Personen mit homosexueller Neigung jene grundlegende Freiheit anerkannt werden, welche die menschliche Person als solche charakterisiert und ihr eine besondere Würde verleiht. Wie bei jeder Umkehr vom Bösen kann, dank dieser Freiheit, das von der göttlichen Gnade erleuchtete und gestärkte Mühen es jenen Personen gestatten, homosexuelles Tun zu unterlassen.“ Glauben Sie, eine homosexuelle Person kann homosexuelles Tun vermeiden und muss es zu ihrem Wohlergehen tun? Sind Sie einverstanden mit der Option der Keuschheit für alle christlichen Homosexuellen? Oder aber, denken Sie, die Kirche müsse offener sein? In welcher Hinsicht? Beispielsweise, denken Sie, die katholische Seelsorge gegenüber Homosexuellen müsse sich in Richtung der Unterstützung der Treue fester homosexueller Paare orientieren? Haben Sie die Erfahrung einer Kirche gemacht, die anders ist als das Bild, das man erhält, wenn man nur diesen Brief liest? Könnten Sie mir auch Literatur empfehlen, die mir erlaubt, mich über dieses Thema weiter zu informieren? (entweder über die Homosexualität, oder über die Haltung der Kirche). Erlauben Sie mir bitte noch eine Frage: Was halten Sie von der Heirat zwischen homosexuellen Personen und der Adoption von Kindern ihrerseits? Ich entschuldige mich, weil mir bewusst wird, dass ich Sie regelrecht ins Verhör genommen habe. Das spricht von meiner Unwissenheit in diesem Thema. Ich danke Ihnen von ganzem Herzen für Ihre Zusammenarbeit. Ich warte auf Ihre Antwort, Gott segne Sie. Paula

 
 

Liebe Paula,

 

Ich werde dir schließlich schriftlich auf deine Mail antworten: Sie inspiriert mich zu vielen Antworten und es scheint mir wichtig, diese auszuführen, weil sie noch vielen anderen Menschen neben dir dienen können. Wir können am Telefon weiter darüber sprechen, wenn du möchtest… und vor allem, wenn wir es schaffen, unsere Terminkalender auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen! ^^

 

Wenn du einverstanden bist, werde ich eine Art lineare Lektüre deiner E-Mail durchführen, um auch nicht das Geringste zu übersehen.

 

Du schreibst mir, diesem Jungen „ fällt es schwer, den Lehren der Kirche zu vertrauen und manchmal stellt sich das als wahres Hindernis im Hinblick auf die Vertiefung seiner Berufung heraus.“Aus Angst, schon am Anfang ein wenig hart und direkt zu erscheinen, würde ich sagen, dass ich glaube, dass man einen Weg in Richtung des Priesteramtes nicht einschlagen kann, wenn man die katholische Kirche nicht zutiefst liebt, wenn man Ihr nicht im Voraus volles Vertrauen schenkt, wenn man sich zu sehr von dem trügerischen und schimpflichen medialen Ruf inspirieren und beeinflussen lässt, der zur Zeit voller Kraft gegen sie wütet (wie die Kirche trotz allem ein wenig „zurückgeblieben“ sei hinsichtlich gewisser Themen, in Diskrepanz zu den sozialen Veränderungen, und im Geiste „verschlossen“). Die katholische Kirche ist menschlich, fehlerhaft, aber trotz allem von göttlicher Inspiration: Sie ist also geheiligt, trotz ihrer chaotischen Menschlichkeit. Und das, das darf nicht in Zweifel gezogen werden! Das Vertrauen hat notwendigerweise etwas Arbiträres und Blindes an sich, aber ich hatte die Gelegenheit, viele Male die Richtigkeit der Botschaft des Evangeliums, aber auch des Papstes und seiner vatikanischen Institution zu erleben. Beispielsweise, um von der Homosexualität auszugehen, habe ich immer der etwas abrupten und trockenen Botschaft des Katechismus der katholischen Kirche zu diesem Thema Vertrauen geschenkt, indem ich mir gesagt habe, die Kirche habe Recht, ohne bis dahin verstanden zu haben warum, dass ich später verstehen würde, dass ich mich selbst auf die Suche machen müsse um andere, persönlichere Worte zu finden und die Prägnanz des kirchlichen Diskurses wettzumachen. Und schlussendlich, am heutigen Tag, bedauere ich es nicht im Geringsten, in meiner Blindheit starrköpfig gewesen zu sein! Selbst wenn ich die Dinge nicht wie der Papst oder selbst ein Heiliger Paulus ausdrücken würde, selbst wenn ich mir seine Botschaft über die Homosexualität zu Eigen gemacht habe, um sie mehr zu humanisieren, greife ich schließlich wieder auf meine Kirche zurück, indem ich Ihr Recht gebe und Sie in ihren Positionen unterstütze. Sie sah richtig im Bezug auf die Homosexualität, als sie sagte, dass die homosexuellen Akte in sich ungeordnet seien. Sie sieht richtig, wenn sie ihr Misstrauen gegenüber homosexuellen Paaren und dem homosexuellen Begehren ausdrückt. Und das sagt jemand wie ich, der dieses Thema in vier Büchern bis ins Letzte studiert hat und der zehn Jahre in homosexuellen Verbänden und im „Homo-Milieu“ verbracht hat! Kein Junge, der seine Meinung aus der Ferne ausdrückt, weil er weder seine Homosexualität annimmt noch die Tatsache, sich ihr anzunähern. Das Vertrauen in die Kirche – das absolut kein Synonym ist für das Fehlen eines kritischen Blicks oder für die schulische Unterordnung unter alles, was gesagt wurde – enttäuscht niemals, denn ich glaube, dass sie zutiefst richtig und überraschend ist. Ja, ich akzeptiere immer mehr, Teil dieser Familie zu sein, die die katholische Kirche ist, und ich bin schockiert, dass man so meinen Großvater malträtiert, weil er den Mut hatte, laut auszusprechen, was über die Homosexualität gesagt werden muss, und übrigens auch über viele andere Themen der Sexualmoral. Erst, wenn man direkt die Texte und das, was Benedikt XVI. sagt, liest, wird man sich bewusst, dass es nichts von dem Frustrierenden an sich hat, worüber sich gewisse Medien das Maul zerreißen. Es steht in einem ganz besonderen Bezug zur Aktualität.

 

Wenn ich ihm erkläre, dass man oft zwischen der offiziellen Position der Kirche und der Seelsorge unterscheiden muss, findet er das schwer verständlich, denn das empfindet er als Scheinheiligkeit.“ Ich verstehe in der Tat, dass er diese Rede von der Trennung zwischen Theorie und Praxis, Kirche von oben und Kirche von unten nicht annehmen kann (selbst wenn ich sehe, in welchem Sinne du es gemeint hast: Der Vatikan ist durchaus verpflichtet, einen moralischen Rahmen zu setzen, einen allgemeinen Diskurs, auch wenn er ihn daraufhin je nach Fall anpasst, an Ausnahmen, an Personen, an unvorhergesehene menschliche Situationen). Es spricht für diesen jungen Mann, vor unserer Laschheit „zurückzuzucken“ oder vor unseren eigenen Versuchungen, uns von unserer Institution zu distanzieren, um nicht alles zu akzeptieren, was sie von uns verlangt oder das schlechte Image anzunehmen, welches das alles uns verleihen würde! Das bedeutet zumindest, dass er unbewusst an der Einheit der Kirche hängt, dass er auf der Suche nach der Wahrheit ist, dass er sich tief nach einer Kohärenz zwischen Wort und Tat sehnt, dass er sich entweder ganz mit der Kirche vermählen möchte oder gar nicht! Er muss vielleicht diesen schönen Teil beibehalten, den sein Aufstand beinhaltet (und zwar die Suche nach der Wahrheit) und darüber hinaus ins Mysterium des Gehorsams einwilligen. „Gehorchen“ bedeutet „lieben“, wenn man einem guten Herren Gehorsam leistet.

 

Kürzlich hat er seine Zweifel bezüglich der Lehre der Kirche über die Homosexualität ausgedrückt. Er hat uns gesagt, er sei nicht homosexuell und er kenne niemanden, der homosexuell sei. Dennoch will er die Lehre der Kirche zu diesem Thema verstehen, andererseits fürchtet er, dass er, wenn er Priester würde, nicht in der Lage wäre, das in die Tat umzusetzen, was die Kirche lehrt und schließlich den Weg des katholischen Priesters aufgeben würde.“ Ich finde das toll, dass dieser Junge sich danach sehnt, so ganzheitlich zu sein, dass er ebenfalls aus seinen Grenzen ausbricht um sich auf ein Terrain zu begeben, das er a priori nicht gut kennt (die homosexuelle Welt), dass er im Zentrum eines Apostolats in und nahe an den Realitäten der Welt sein möchte. Du kannst ihn beglückwünschen und ermutigen, „in der Scheiße zu wühlen“, sich nie gehen zu lassen oder einen Vertrag zu unterzeichnen, dessen Klauseln er nicht allesamt kennt. Hauptsache, er akzeptiert, dass man nicht alles am Verstand Gottes beherrschen oder erraten kann.

 

Im Moment ist er wirklich dabei, seine Berufung aufgrund dieses Themas in Frage zu stellen. Er hat Kommentare über den Brief der Kongregation für die Glaubenslehre über die Pastorale gegenüber homosexuellen Personen gelesen und er ist mit dieser Position nicht einverstanden. Er denkt, das sei keine barmherzige Position, wie jene Jesu. Sie stünde somit im Widerspruch zum Evangelium.“ Ich verstehe seine erste Reaktion. Aber dieser Eindruck einer fehlenden Offenheit liegt nicht so sehr am Inhalt, als vielmehr an der Kürze der Artikel dieses Schreibens der Kongregation für die Glaubenslehre. Es ist eindeutig, dass sich die Botschaft der Kirche, auch wenn sie nicht falsch ist, verfeinern und mehr präzisieren muss, um liebender zu sein. Ich persönlich finde, dass es sich noch nicht genug um das homosexuelle Begehren an sich handelt, noch um seine Verbindung mit der Vergewaltigung. Deshalb fällt es dem Text schwer, gegenüber dem gut durchdachten Diskurs der bedingungslosen Öffnung gegenüber dem Anderen ins Gewicht zu fallen. Der Junge, von dem du mir erzählst, darf nicht aus den Augen verlieren, dass die Liebe des Nächsten kein „Ja“ ohne Einschränkung bedeutet, sondern gelegentlich ein „Nein“ und eine Anforderung, die mit Entschiedenheit gestellt wird. Jesus empfängt den Anderen immer bedingungslos, aber die menschlichen Taten mit viel Vorbehalt und Forderung! Weil ihm die LIEBE genauso viel bedeutet wie die Menschen, die von dieser LIEBE geliebt werden. Und weil er uns verantwortlich macht, uns vor unsere menschlichen Grenzen und unsere Freiheit stellt. Wenn wir ihm nichts bedeuten würden, würde er sich nicht die Mühe machen, sich unseren manchmal wohlgemeinten Hirngespinsten, uns für Ihn zu halten, entgegenzustellen. Jesus empfängt jedoch die Ehebrecherin nicht mit einem faden Lächeln und einer relativistischen Geisteshaltung: Er liebt sie zutiefst, und deshalb sagt er ihr auch ohne Umschweife: „Geh, und sündige von jetzt an nicht mehr.“ Er empfängt die Person, aber er weist die Sünde zurück. Er formuliert explizit eine Forderung, die die Tat verurteilt und gleichzeitig der sündigen Seele aufhilft. Genau deshalb finde ich die Botschaft der Kirche über die Homosexualität fordernd, aber sehr evangelisch. Es ist die Bitterkeit des angebotenen Kelches.

 

Er denkt auch, es sei nicht gerecht, dass es für Heterosexuelle zwei Optionen gebe: das Eheleben und die Gott geweihte Keuschheit, für Homosexuelle allerdings nur die der Keuschheit.“Zunächst einmal, verstehen wir uns richtig in der Terminologie. Keuschheit ist nicht gleich Enthaltsamkeit oder Abstinenz: Sie muss auch im Herzen eines Paares zwischen Frau und Mann gelebt werden, oder zwischen Freunden, oder selbst zwischen einem Künstler und seinem Kunstwerk, denn sie ist die richtige Distanz, die die Beziehung ermöglicht, dieser Widerstand gegenüber einer zerstörerischen Verschmelzung. Darüber hinaus ist der Ruf zur Enthaltsamkeit für die homosexuellen Personen, um ehrlich zu sein, etwas schwer zu schlucken, das muss man zugeben. Mich selbst hat er eine Zeit lang sehr beschäftigt, als ich anfing, mein homosexuelles Begehren zu akzeptieren. Ich sah, wie ich an Messen teilnahm, in denen die homosexuelle Dimension absolut nicht behandelt wurde (beispielsweise der „jährliche Tag für die Berufungen“ oder der „Sonntag für die Familie“). Die Priester boten in ihren Predigten nur zwei Optionen möglicher Berufungen an, um Christus nachzufolgen: entweder die Ehe (die ich nicht leben konnte), oder den im Priesteramt gelebten Zölibat (den ich auch nicht leben konnte, denn der Eintritt in die Priesterseminare war homosexuellen Menschen versperrt). Ich fand diese Argumentierung etwas knapp und angsterregend; in dieser Zeit weinte ich beinahe deswegen und schrie in meinem Inneren zum Herrn: „Aber Herr, welcher Weg bleibt uns, den homosexuellen Personen??? Welcher Notausgang??? Warum sollte ich nicht auch das Recht haben, zu lieben, denn du hast mir ein Herz zum Lieben gemacht?“ Trotz dieser Auflehnung bin ich nicht aus der Kirche ausgetreten (mein Glaube war zu stark). Im Gegenteil, sie hat mir den Anstoß gegeben, mir Fragen zu stellen und einen neuen Weg einzuschlagen. Und darüber hinaus, im Laufe der Zeit, habe ich verstanden, dass dieser eingeschränkte und enge Weg der Enthaltsamkeit, der den homosexuellen Personen angeboten wird, nichts von einer Verurteilung der Liebe an sich hatte, sondern eben genau eine spezielle Anforderung war, die die Eigenheit von uns, den homosexuellen Personen, anerkannte, und auch, dass sie weder leichter noch schwerer zu leben war als die Ehe oder das Priesteramt: Sie beinhaltet den selben Verzicht, das selbe Sich-Ganz-Geben, die selbe Freiheit. Sie ist nicht weniger ein Weg, auf dem man wirklich lieben kann. Es ist nicht die Anzahl der Wahlmöglichkeiten, die uns angeboten werden, die unseren Grad an Freiheit oder unser Glück bestimmen, sondern unsere ganzheitliche Wahl einer einzigen Person, ob das nun eine Person des „anderen“ Geschlechtes ist oder Jesus. Und die homosexuellen Personen müssen Jesus nicht entbehren: Sie sind selbst, aufgrund der Grenzen, die ihnen durch ihr Begehren auferlegt werden, ganz speziell dem „besten Teil“ zugewandt. Also warum sollten sie sich darüber beklagen, oder darüber weinen, dass sie an den Rand des Paar- Modells gestellt werden, das unsere ultra-erotisierte Gesellschaft als die einzige Struktur wahrer Liebe darstellt? Irgendwie bereitet sie ihre Homosexualität direkter und härter auf die himmlische königliche Hochzeit vor. Wenn sie diese greifen können, ist das eine Chance für sie, in gewisser Weise von einem inneren Begehren, das sie nicht gewählt haben, zu einem ganzheitlichen Geschenk an die Person Jesu gedrängt zu werden, denn sie sind von der Kirche nicht dazu berufen, etwas Anderes mit einem Anderen zu leben. Die Kirche fordert sofort etwas Großes von ihnen, etwas vollkommen Verrücktes menschlich gesprochen, aber etwas Ruhmvolles in der Ewigkeit. Sie sollten sich darüber freuen! All das ergibt allerdings nur Sinn im Lichte des Glaubens und der Auferstehung.

 

Nachdem ich nicht homosexuell bin, ist es für mich sehr schwierig, ein Urteil zu fällen. Ich habe mich ein wenig informiert, aber ich weiß nicht, welche Meinung ich als die Richtige annehmen soll. Ich gebe mein Unwissen in diesem Thema zu und deshalb bitte ich Sie um Hilfe.“ Hab keine Angst vor deinen Eindrücken, deinen Meinungen, deinen durchdachten Urteilen, Paula. Die Homosexualität ist menschlich. Selbst wenn nicht alle sie hegen, fährt sie fort, allen anzugehören, und alle können darüber sprechen – auch „heterosexuelle“ Priester! – denn die Reflexion über das Begehren betrifft Jedermann. Die Homosexualität ist kein Thema, das speziell homosexuellen Personen angehört, auch wenn die gute Mehrheit von ihnen das glauben lässt, um nicht hören zu müssen, was die außenstehende Welt ihr zutreffendes über die zahlreichen Grenzen ihres Begehrens zu sagen hat. Wir haben als Christen die Verpflichtung, Stellung zu beziehen. Und ich habe sogenannte „heterosexuelle“ Menschen gesehen, die mit deutlich mehr Stichhaltigkeit und Distanz das Thema Homosexualität behandelt haben als diejenigen, die Scheuklappen aufhaben und so wenig Abstand zu sich selbst haben. Also hab Vertrauen in dich selbst!

 

Nachdem Sie homosexuell und katholisch sind, könnten Sie mir einige Fragen beantworten? Beispielsweise, sind Sie einverstanden mit: „Die spezifische Neigung der homosexuellen Person begründet aber eine mehr oder weniger starke Tendenz, die auf ein sittlich betrachtet schlechtes Verhalten ausgerichtet ist. Aus diesem Grunde muss die Neigung selbst als objektiv ungeordnet angesehen werden.“ (laut dem Schreiben der Kongregation der Glaubenslehre über die Seelsorge für homosexuelle Personen). Das heißt, ist die homosexuelle Neigung für Sie ungeordnet und betrachten Sie das homosexuelle Verhalten an sich als schlecht?“ Ja, ich bin einverstanden mit diesen Äußerungen. Sie sind sicherlich explizit, aber geradlinig. Als Zeuge des inneren und äußeren Chaos, das die Rechtfertigung des homosexuellen Begehrens im Leben von Personen hervorrief, die sich ihm blind unterwarfen, wie wenn es sich um ein Begehren handele, das sie vollständig definiere oder das gleichwertig sei der Liebe zwischen einer Frau und einem Mann, die sich wirklich lieben oder zwischen einem enthaltsamen Menschen und Gott, kann ich sagen, dass ich sie unterschreibe. Abgesehen davon würde ich diesen Äußerungen meine eigene Feldstudie hinzufügen. Ich habe in den homosexuellen Werken (Filme, Romane, Biographien, Reden über zahlreiche homosexuelle Themen) alle unbewussten Vorkommnisse gezählt, die über das Wort „Unordnung“ gemacht wurden, und sie sind zahlreich! (obwohl sie von Menschen gemacht wurden, die die Authentizität ihres homosexuellen Begehrens verteidigten!) Ich habe ebenso die zersplitterte, also mehr trennende als einende Natur des homosexuellen Begehrens beschrieben, durch das Studium von sich wiederholenden Symbolen in den Fiktionen, die von Homosexualität handeln: in zwei Teile geschnittene Gesichter, platzende Körper, Tiere mit zwei Köpfen, Zwillinge, zerbrochene Spiegel, doppelt Schizophrene, etc., all diese symbolischen Figuren der Trennung. Für mich sind diese Bilder die Sprache des homosexuellen Begehrens, ein Elan, der immer mehr in Richtung der Zerlegung führt und zu Handlungen, in denen die narzisstische Fantasterei und die Triebe Gesetzeskraft haben, mehr als in Richtung der Realität und der Wahrheit (was trotz allem nicht bedeutet, dass sie völlig von diesen beiden getrennt seien).

 

Für mich ist das schwer zu verstehen, dass die Homosexualität, wenn sie eine menschliche Struktur ist, selbst wenn sie in den meisten Fällen nicht genetisch ist, etwas Schlechtes und Ungeordnetes sei. Um ehrlich zu sein, in meinem Unwissen würde ich bevorzugen, die Homosexualität könne mit irgendeiner Therapie geändert und Heterosexualität werden. Aber nach dem, was ich gelesen habe, wird das weder akzeptiert noch ist es empfehlenswert, selbst wenn es Gruppen gibt, die zur Umwandlung ermutigen, indem sie das Bekehrung nennen, nicht wahr?“ Es ist wahr, dass es nicht wünschenswert ist, die Homosexualität auf das Feld der Genetik oder der Krankheit zu stellen aus dem einfachen Grund, dass sie keine Wahl ist. Dennoch, selbst wenn ich nicht vorgebe, zwischen dem Angeborenen und dem Erworbenen zu unterscheiden (denn für mich bleibt die Homosexualität ein Rätsel, das man nicht vollständig aufklären sollte, um demjenigen, der sie verspürt, vollständige Freiheit zu lassen, um sie nicht in Schicksal zu verändern, um das homosexuelle Begehren nicht zu „pathologisieren“ oder unentbehrlich zu machen und ihm zu viel Belang zu geben im Bezug auf die homosexuelle Person), habe ich festgestellt, dass das homosexuelle Begehren gleichzeitig das Merkmal einer Verletzung ist, die im Kontext einer reellen Gewalt steht (Vergewaltigung, Inzest, Selbstverachtung, das Begehren, Objekt zu sein, freundschaftliche Isolation etc.), als auch die Enthüllung von Zufällen und tragenden Feldern (bestimmend oder nicht), die durch die Abwesenheit von Begehren gekennzeichnet sind. Also muss man selbstverständlich sehr vorsichtig gegenüber kollektiven Therapien und all denjenigen Sekten sein, die „die“ Homosexuellen stigmatisieren und sie auf ihr homosexuelles Begehren reduzieren, um es ihnen besser wegzunehmen und an eine wundersame Bekehrung zur „Heterosexualität“ glauben zu machen. Ich persönlich glaube nicht daran, unter anderem weil ich die homosexuelle Orientierung nicht als das betrachte, was die Ganzheit der Person, die sie verspürt, bestimmt, noch als absolut Böses. Außerdem ist das, was sich auf dem Niveau der Sexualität abspielt, sehr mysteriös und tief: Ich glaube nicht, dass man sich komplett ändern könnte, wenn man homosexuell ist, außer diejenigen, die sich bisexuell fühlen. Das hängt von der Tiefe der Verankerung der Homosexualität in uns ab. Kurz gesagt, die homosexuelle Verletzung bleibt ein Rätsel, dessen Schlüssel ich nicht besitze. Abgesehen davon haben wir alle etwas in uns, das geheilt werden muss… und es ist eindeutig, dass das homosexuelle Begehren, wenn man sich ihm hingibt, verletzt, und eine Zerbrechlichkeit andeutet, die man berücksichtigen muss. Ich habe bei den homosexuellen Menschen in meinem Umkreis viel Frustration, Angst, Schüchternheit, Selbsthass, Misanthropie (abgewandelt in Misogynie oder Misandrie) oder Fehlen von Selbstvertrauen gesehen. Das ist nicht spezifisch für das homosexuelle Begehren (es gibt auch andere zerrüttende Begehren), aber das homosexuelle Begehren ist durch diese Unordnung gekennzeichnet.

 

Also, wie verstehen und leben Sie ihre sexuelle Orientierung?“ In dem Zeitpunkt, in dem ich Ihnen diese Zeilen schreibe, versuche ich, sie in der Enthaltsamkeit zu leben. Nach 29 Jahren kompletten Zölibats und einer anschließenden eineinhalb-jährigen Phase der Erprobung der körperlichen homosexuellen Beziehung mit Männern kehre ich langsam aber sicher zur Enthaltsamkeit zurück. Auf jeden Fall mit mehr Selbstsicherheit. Diese Verheißung bleibt durch Dauer und Freude zu bestätigen. Aber im Moment scheine ich auf einem guten Weg zu sein! Mein Herz brennt, und brennt stärker als zuvor!

 

Im Bezug auf den folgenden Satz desselben Briefes, sind Sie einverstanden mit dieser Behauptung?In Wirklichkeit muss auch bei den Personen mit homosexueller Neigung jene grundlegende Freiheit anerkannt werden, welche die menschliche Person als solche charakterisiert und ihr eine besondere Würde verleiht. Wie bei jeder Umkehr vom Bösen kann, dank dieser Freiheit, das von der göttlichen Gnade erleuchtete und gestärkte Mühen es jenen Personen gestatten, homosexuelles Tun zu unterlassen. Glauben Sie, eine homosexuelle Person kann homosexuelles Tun vermeiden und muss es zu ihrem Wohlergehen tun? Sind Sie einverstanden mit der Option der Keuschheit für alle christlichen Homosexuellen? Oder aber, denken Sie, die Kirche müsse offener sein? In welcher Hinsicht? Beispielsweise, denken Sie, die katholische Seelsorge gegenüber Homosexuellen müsse sich in Richtung der Unterstützung der Treue fester homosexueller Paare orientieren?“ Ja, ich bin einverstanden mit dem oben zitierten Satz, denn ich glaube an die Macht des Handelns Gottes in uns. Abgesehen davon ist diese Handlung weder spektakulär (man verlangt von keinem Verletzten, den 100-Meter-Lauf zu sprinten!), noch euphorisch, noch ein Aufruf zur erzwungenen Ehe, noch eine Ermutigung zur Aufgabe seines Homo-Begehrens. Im Gegenteil, je mehr man sich ohne Angst seinem homosexuellen Begehren und dem „Homo-Milieu“ nähert, um sie anzuerkennen und zu verstehen, wie sie ticken, desto weniger Risiken bestehen, mit ihm zu zerfließen und ihn unser Leben lenken zu lassen. Ansonsten ermutige ich selbstverständlich zum Respekt homosexueller Paare und zur Unterstützung der Treue innerhalb dieser Paare, ohne sich allerdings etwas über ihre objektive Zerbrechlichkeit vorzumachen. Es gilt nicht, die homosexuelle Liebe zu idealisieren, denn sie besitzt viele Grenzen (und nicht nur, weil die Gesellschaft ihr Steine in den Weg legt; es ist das homosexuelle Begehren, das von Natur aus schwach und gewaltsam ist). Es gilt aber auch nicht, ihm die Bezeichnung der „Liebe“ zu entziehen, denn selbst wenn es eine begrenzte Liebe ist, ist sie, in wenigen Fällen, der Ort des Austausches von Unterschieden, von Zärtlichkeit, von ernsthaftem Engagement, was man nicht in den Wind schlagen darf.

 

Haben sie die Erfahrung einer Kirche gemacht, die anders ist als das Bild, das man erhält, wenn man nur diesen Brief liest?“ Ich gebe zu, dass ich bis zum heutigen Tag noch nie ein Homo-Pärchen getroffen habe, das mich wirklich begeistert hat (und das liegt nicht daran, dass ich nicht die Gelegenheit gehabt hätte, welche kennenzulernen!). Aber man soll niemals nie sagen. Meine Skepsis ist nicht unzugänglich. Wenn ich eines Tages auf ein homosexuelles Paar treffe, das mir auf lange Sicht solide und glücklich erscheint, werde ich nicht zögern, dies auch auszudrücken. Zum aktuellen Zeitpunkt kann ich nur sagen, „Ich warte darauf, es zu sehen…“, selbst wenn ich immer noch nicht von der Kraft der Homo-Liebe überzeugt bin und immer mehr weiß, warum.

 

Im Bezug auf die eigentliche kirchliche Erfahrung bin ich bisher nicht wirklich auf homosexuelle Personen getroffen, die eine harmonische Kombination von Glaube und Homosexualität leben: entweder versuchen sie, eine gay Church zu bilden, indem sie sich von der Institution Kirche entfernen (wie in der christlichen Vereinigung David et Jonathan), oder ich habe einige isolierte Jungen getroffen, die ihre Homosexualität in einer religiösen Praxis unterdrücken, in der sie ihre Neigungen verschweigen (sehr seltene Fälle… und unter ihnen sind auch einige Geistliche…). Aber ich gebe zu, dass ich bis zum heutigen Tag keinen Jungen wie mich getroffen habe, der auf diese Weise öffentlich sowohl zu seinem gelebten katholischen Glauben als auch zu seiner Homosexualität steht.

 

Was die Annahme homosexueller Personen in der Kirche betrifft, empfinde ich die Priester noch als schüchtern, beinahe ängstlich, im Bezug auf dieses Thema. Dabei verhalten sie sich oft ungeschickt, sogar ein wenig urteilend. Die katholische Kirche hat auf diesem Gebiet noch Schwierigkeiten, das Thema Homosexualität anzupacken. Es wären eine Ausbildung nötig, eine Verlautbarung, ein festes Wort, auf das man sich stützen kann, um grobe Patzer und die Entfernung gewisser Personen von der Kirche allein aufgrund dieses Themas der Homosexualität zu vermeiden.

 

Könnten Sie mir auch Literatur empfehlen, die mir erlaubt, mich über dieses Thema weiter zu informieren? (entweder über die Homosexualität, oder über die Haltung der Kirche).“ Ich kann dich nur auf Xavier Thévenot, Jacques Arènes oder auch Xavier Lacroix verweisen; oder, in einem profanen und psychoanalytischen, aber weniger soliden Verzeichnis, auf Jean-Pierre Winter. Ich habe nichts besser gefunden! Und schließlich selbstverständlich mein eigenes Buch… 😉

 

Erlauben Sie mir bitte noch eine Frage: Was halten Sie von der Heirat zwischen homosexuellen Personen und der Adoption von Kindern ihrerseits?“ Genau darüber spreche ich in meinem Essay. Kurz gesagt bin ich weder der Heirat zwischen homosexuellen Personen, noch der Adoption von Kindern wohlgesinnt. In beiden Fällen geschieht es im Namen des Respekts des Geschlechterunterschieds (welcher die Ehe aus wahrer Liebe festigt) und der Familie, dass ich diese Meinung vorbringe. Achtung, wenn ich dies sage, warne ich inständig vor einer geburtenfördernden Sakralisierung der Prokreation, oder einer Idealisierung des Geschlechterunterschieds. Es genügt nicht, dass die Kinder physisch da sind, oder dass ein Paar aus einer Frau und einem Mann zusammengestellt ist, damit die Liebe da ist. Es muss nicht nur der Geschlechterunterschied vorhanden sein, sondern auch, dass er von dem wahren und freien Begehren zwischen zwei verschiedengeschlechtlichen Personen gekrönt ist, und schließlich von der Ankunft der Kinder, um wirklich von Liebe und anschließend von Familie sprechen zu können.

 

Ich entschuldige mich, weil mir bewusst wird, dass ich Sie regelrecht ins Verhör genommen habe. Das spricht von meiner Unwissenheit in diesem Thema. Ich danke Ihnen von ganzem Herzen für Ihre Zusammenarbeit. Ich warte auf Ihre Antwort, Gott segne Sie. Paula

 

Paula, ich möchte dir von Herzen dafür danken, dass du mir durch deine Mail voller Fragen die Möglichkeit gegeben hast, zentrale Problematiken der Homosexualität zu behandeln. Deine Fragen zeugen von einem sehr lebendigen, richtigen, scharfen, regen und fruchtbaren Glauben deinerseits. Das ist genial! Du stellst die richtigen Fragen, und du erlaubst mir, Worte zu finden für das, was mich seit Langem bewegt und ich so noch nie formuliert habe. Vor zwei Jahren hatte mir ein betagter Priester und enger Freund meiner Familie im Anschluss an die Lektüre meines Buches nahegelegt, eine kleine Broschüre zu schreiben, die einen praktischen Ratgeber für den Empfang homosexueller Personen seitens der Kirche bietet. Und ich habe dein Eindruck, dass sich sein Wunsch dank deiner Befragung erfüllt hat. Es ist beeindruckend, zu sehen, wie sehr das alleinige Thema der Homosexualität ein Faktor für Zwietracht, innere/äußere Spaltung und Entfernung von der Kirche ist. Das habe ich bereits selbst bei jungen katholischen Erwachsenen beobachtet, die noch in unseren Kirchen präsent waren. Du hast somit ein einschneidendes Problem berührt. Ich danke dir. Ich würde gerne die Mail, die ich dir schicke, und unseren Austausch auf der Homepage meines Buches veröffentlichen. Gibst du mir die Befugnis? Gott, der allmächtige Liebe ist, segne dich. Dein (bereits) Bruder Philippe.

 
 
 

N.B. Sie finden alle Reaktionen auf diesen Brief, wie auch meine Antworten, auf der Homepage Padreblog.fr. Er ist einer der meistbesuchten Artikel der Seite. Danke an Pater Pierre-Hervé Grosjean und sein Team an Priestern!

 


[1] Das Schreiben kann auf der Homepage des Vatikans in Originalversion gelesen werden: http://www.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_19861001_homosexual- persons_ge.html#top